Viele Menschen benötigen im fortgeschrittenen Alter, nach einem Unfall oder im Falle einer Krankheit, Pflege. Je nach Pflegestufe, Familiensituation und Bedürfnisse der betroffenen Person kann die Betreuung Zuhause eine gute Option sein. Häufig sind es die Kinder der Pflegebedürftigen, aber auch ihnen nahestehende Personen, die diese Aufgabe übernehmen.
Das erspart Kosten und so manches mühevolle Suchen nach einer Pflegekraft, kann aber sehr viel körperliche und seelische Belastung mit sich bringen. In diesem Blogbeitrag erfahren Sie alles Wissenswerte rund ums Thema Pflege Zuhause. Wir geben Ihnen Tipps und zeigen Ihnen Hilfsmittel und Services, die die Pflege Zuhause erleichtern und sicherer machen.
1. Voraussetzungen für die Pflege Zuhause
Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass die Pflege von Angehörigen und SeniorInnen Zuhause sich nur dann eignet, wenn die betroffene Person eine relativ geringe Pflegestufe hat (1–2) und noch ziemlich selbstständig und gesundheitlich fit ist.
Um den Pflegegrad zu bestimmen, wird ein Gutachten eines Arztes/einer Ärztin oder einer Pflegefachkraft, in Deutschland vom Sozialmedizinischen Dienst, ausgestellt. Für das Verfahren muss ein Antrag gestellt werden. Grundsätzlich gibt es bis zu sieben Pflegegrade, die sich nach der Hilfebedürftigkeit der betroffenen Person ausrichten. Je nach Pflegestufe gibt es auch unterschiedliche finanzielle Unterstützungen, auf die wir im nächsten Punkt genauer eingehen werden.
Um relativ schnell einen Überblick zu erhalten, welchen Grad der Pflege der/die SeniorIn vermutlich haben wird, können Sie den Pflegegradrechner verwenden. Dies ist allerdings nur eine Einschätzung und dient der Orientierung. Der wirkliche Pflegegrad wird natürlich von medizinischem Fachpersonal bestimmt.
Neben der Pflege im Eigenheim gibt es noch zahlreiche weitere Wohnformen für SeniorInnen und hilfsbedürftige Menschen. Je nachdem, wie sehr die betroffene Person auf Hilfe angewiesen ist, ist eine unterschiedliche Wohnform sinnvoll.
Die Barrierefreiheit des Eigenheims, wie z. B. schwellenlose Übergänge, rutschfeste Matten und Haltegriffe im Badezimmer und WC, ist ebenfalls eine Voraussetzung für die Pflege von Angehörigen und SeniorInnen Zuhause. Auf die unterschiedlichen Wohnformen für SeniorInnen und die Barrierefreiheit sind wir bereits im Blogartikel “Altersgerechtes Wohnen: Zuhause alt werden” eingegangen.
Selbst körperlich wie seelisch belastbar und fit zu sein, zählt ebenso zu den Bedingungen für die Pflege von nahestehenden Personen. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass diese Aufgabe zwar sehr wertvoll ist, aber auch sehr viel Verantwortung und Herausforderung mit sich bringen sowie viel Zeit beanspruchen kann.
2. Entschädigung & Freistellung bei der Pflege von Angehörigen
2. 1. Pflegegeld bzw. Pflegeunterstützungsgeld
Personen, die Angehörige pflegen, können in Österreich und Deutschland Pflege- bzw. Pflegeunterstützungsgeld beantragen. Die Höhe des Zuschusses variiert je nach Pflegestufe des hilfsbedürftigen Menschen bzw. der Seniorin/des Seniors.
In Österreich beträgt der Zuschuss zwischen 1.200 bis maximal 2.200 € für maximal 28 Tage pro Jahr. In Deutschland zwischen ca. 300 - ca. 950 € monatlich.
Weitere Informationen auf den Webseiten des Bundesministeriums Deutschland und Bundesministeriums Österreich.
2.2. Pflegekarenz bzw. Pflegezeit
Bei der Pflege von Angehörigen und SeniorInnen haben Sie einen rechtlichen Anspruch auf Pflegekarenz. Dabei handelt es sich um eine unbezahlte Freistellung von der Arbeit.
Diese kann in Österreich bis zu drei Monate dauern oder in Form von Teilzeit in Anspruch genommen werden. In Deutschland kann diese ebenfalls unentgeltlich bis zu sechs Monate in Form von Teil- oder Vollzeit genommen werden.
2.3. Angehörigenbonus
Dieser Bonus wird in Österreich ausgezahlt, wenn Personen ab Pflegegrad 4 in häuslicher Umgebung, von Verwandten oder ihnen nahe stehenden Personen gepflegt werden. Außerdem sollten Sie während der Tätigkeit pensionsversichert sein.
Der Zuschuss beträgt in Österreich für 2024 1.500 €. Unter bestimmten Voraussetzungen können PensionistInnen diesen Bonus ebenfalls bekommen. Einen Anspruch, früher in Rente zu gehen, gibt es nicht.
Durch die Pflege kann jedoch die Mindestversicherungszeit für die Rente durch Gutschriften auf dem Pensionskonto bzw. durch Pensionspunkte schneller erreicht werden. Dadurch kann die betreffende Person theoretisch früher in Rente bzw. in Pension gehen.
2.4. Pflegefreistellung bzw. Krankschreibung bei der Pflege von Angehörigen
ArbeitnehmerInnen, die in einem privatrechtlichen Arbeitsverhältnis stehen, haben in Österreich einen rechtlichen Anspruch auf Pflegefreistellung für die Unterstützung von erkrankten nahen Angehörigen.
Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie in einem gemeinsamen Haushalt leben oder nicht. Diese kann allerdings höchstens eine Arbeitswoche lang in Anspruch genommen werden und dient somit der kurzfristigen Pflege von Angehörigen.
Wenn ein/e Angehörige plötzlich zum Pflegefall wird, kann der/die ArbeitnehmerIn sofort für bis zu zehn Arbeitstage eine Freistellung von der Arbeit in Deutschland beantragen.
2.5. Familienpflegezeit
Für die Familienpflegezeit werden Personen in Deutschland für die häusliche Pflege von Angehörigen bis zu zwei Jahre bei einer wöchentlichen Mindestarbeitszeit von fünfzehn Stunden freigestellt.
3. Aufgaben bei der Pflege von Angehörigen
Beim Pflegen von Angehörigen und SeniorInnen ist es eine zentrale Aufgabe, die Person im Alltag sowie beim Einkaufen, bei Arztbesuchen oder Behördengängen zu unterstützen. Je nach Hilfebedürftigkeit können auch das Kochen, die Einnahme von Mahlzeiten und Tabletten sowie das Waschen, Anziehen und Toilettengänge erforderlich sein.
Besonders bedeutsam für die pflegebedürftige Person ist der soziale Kontakt. Gemeinsame Gespräche, Ausflüge und emotionale Unterstützung können den betroffenen Menschen bzw. dem Senioren/der Seniorin sehr weiterhelfen.
Wertschätzende Kommunikation, das Stärken von Fähigkeiten und die Bewahrung der Selbstständigkeit spielen dabei eine zentrale Rolle. Das Rote Kreuz in Österreich sowie Malteser in Deutschland bieten Kurse für die Pflege von Angehörigen an, in denen sie wertvolle Tipps geben und “pflegefit” machen möchten.
4. Potenzielle Herausforderungen & Belastungen
Wie bereits erwähnt, ist die Pflege von Angehörigen sehr wichtig und gesellschaftlich löblich, aber auch sehr anspruchsvoll. Es gibt zahlreiche potenzielle Herausforderungen, die auf pflegende Angehörige zukommen können. Hier die Wichtigsten im Überblick:
4.1. Zeitaufwand
Die Pflege von Angehörigen und SeniorInnen erfordert häufig viel Zeit und verlangt ein gutes Zeit- sowie Energiemanagement von pflegenden Personen. Ein potenzielles Risiko bzw. eine Herausforderung ist dabei, dass andere Verpflichtungen, wie Arbeit und Familie, zu kurz kommen könnten.
Hier ist es wichtig, sich wegen einer Freistellung der Arbeit bzw. einer Pflegeteilzeit zu informieren und sich eventuell mit anderen Angehörigen abzuwechseln, um nicht die alleinige Verantwortung und Belastung zu tragen.
4.2. Emotionale Belastung
Das Beobachten und Miterleben, wenn ein lieber, uns nahestehender Mensch körperlich oder geistig immer schwächer wird, kann uns emotional sehr mitnehmen.
Gefühle von Trauer, Hilflosigkeit und Verlust können Angehörige auf eine harte Probe stellen. Mit jemandem darüber zu sprechen oder sich sogar psychische Unterstützung zu suchen, kann bei der Pflege von Angehörigen und SeniorInnen für die eigene Gesundheit sehr wichtig sein.
Pflegekurse können ebenfalls eine Entlastung für die pflegende Person sein.
4.3. Körperliche Anstrengung
Häufig muss die pflegende Person körperliche Arbeit verrichten, wie das Heben oder Tragen des hilfsbedürftigen Menschen bzw. der SeniorIn. Das kann sehr erschöpfend sein und in manchen Fällen zu Verletzungen führen. Pausen zu machen, gut auf sich Acht zu geben oder unterstützende Angebote, wie die mobile Pflege zu beanspruchen, kann hier sinnvoll sein.
4.4. Finanzielle Herausforderungen
Die Pflege von Angehörigen und SeniorInnen Zuhause kann ebenfalls eine große finanzielle Belastung bedeuten: Kosten für die medizinische Versorgung, Hilfsmittel für die Pflege und eventuell sogar ein gänzlicher oder teilweiser Einkommensverlust können zu finanziellen Herausforderungen führen. In diesem Falle ist das Beantragen von Förderungen für die Pflege von Angehörigen und SeniorInnen besonders wichtig.
4.5. Digitale Hilfsmittel
Digitale Helfer oder sogenannte “Smarthomes” können ebenfalls eine große Entlastung und Hilfe bei der Pflege von Angehörigen sein. Speziell dann, wenn der/die Pflegende aufgrund von Arbeit und Familie nicht permanent anwesend sein kann.
Per Knopfdruck können hilfsbedürftige Menschen selbst z. B. Türen öffnen, das Licht per Bewegungsmelder aktivieren oder Elektrogeräte per Zuruf einschalten. Dabei geht es bei einem Smarthome nicht nur um die Unterstützung im Alltag, sondern auch darum, für mehr Sicherheit zu sorgen.
Eine automatische Abschaltung des Herds oder anderer elektronischer Geräte kann Haushaltsunfälle verhindern und zur Sicherheit der betroffenen Menschen beitragen.
Weitere digitale Assistenzsysteme sind z.B. Seniorenhandys und Notrufsysteme, wie der Hausnotruf vom Roten Kreuz oder den Maltesern, und spezielle Notfalluhren für SeniorInnen.
SOS Notfalluhren ermöglichen gerade aktiven und mobilen SeniorInnen ein sicheres Altern, auch außerhalb ihrer eigenen vier Wände. Solche SeniorInnen Notfalluhren sind mit einer automatischen Sturzerkennung ausgestattet. Passiert ein Sturz zu Hause, bei der Radtour oder bei der Arbeit im Garten, erkennt das diese Uhr.
Bestätigt man nicht innerhalb von 30 Sekunden, dass es einem gut geht, ruft diese Uhr automatisch die, der Reihenfolge nach, hinterlegten Rufnummern an, zum Beispiel von den Kindern oder der Nachbarin.
Zusätzliche Services, wie Essen auf Rädern oder mobile Dienste, wie der Sozial- und Gesundheitssprengel, können den Pflegenden/die Pflegende ebenfalls sehr entlasten. Essen auf Rädern liefert das jeweilige Menü warm nach Hause und erspart dem/der Pflegenden damit Zeit und die Mühe jedes Mal für die betroffene Person bzw. den/die SeniorIn zu kochen.
Mobile Dienste, wie der Sozial- und Gesundheitssprengel besuchen die hilfsbedürftige Person Zuhause, verabreichen Medikamente und sind allgemein für die Pflege des hilfsbedürftigen Menschen zuständig.
Fazit
Wenn Angehörige Zuhause gepflegt werden, gibt es einige Aspekte zu beachten: Es ist zunächst wichtig, die Voraussetzungen für die Pflege von Angehörigen zu erfüllen.
Als Erstes muss die Pflegestufe der betroffenen Person durch Fachpersonal mittels einer Antragstellung ermittelt werden, um zu prüfen, ob die Pflege von Angehörigen im Eigenheim überhaupt sinnvoll ist.
Falls die betroffene Person noch relativ selbstständig und wenig auf Hilfe angewiesen ist, kann diese Pflegeform eine gute Option sein.
Im nächsten Schritt gilt es, die Wohnung bzw. das Haus barrierefrei durch z.B. schwellenlose Übergänge oder rutschfeste Matten zu gestalten.
Des Weiteren sollten Sie sich in jedem Fall über etwaige Freistellungsmöglichkeiten von der Arbeit, Versicherungen und Entschädigungen informieren, wenn Sie Angehörige und SeniorInnen Zuhause pflegen.
Darüber hinaus können digitale Helfer, smarte Assistenzsysteme und Notrufsysteme wie beispielsweise Notrufuhren eingesetzt werden.
Das ermöglicht ein selbstständiges und sicheres Altwerden zu Hause, in vertrauter Umgebung. Sie sind Betroffenen wie Pflegenden eine große Hilfe bei der Pflege zu Hause.


